Hallo,
im April 2009 hat es uns mal wieder nach Mallorca verschlagen. Bei einem unserer Ausflüge habe ich in Artá (Nord-Ost-Ecke von Mallorca) eine Fläche gesehen, die sehr nach ehemaligem Bahnhof
aussah (Bild). Bei genauerem Hinsehen erkannte ich Eisenbahnschienen als Geländer. Damit war mein Interesse erwacht: Was war da mal gefahren? Zurück
im Hotel habe ich die kostenlosen Landkarten, die es beim Autoverleih (Sol-Mar, Hauptsponsor der Karte: Lapis) oder bei der Touristeninfo gibt angesehen, - und tatsächlich, auf einer Karte war eine gepunktete
Eisenbahnlinie von Manacor nach Artá eingezeichnet.
Nach Auskunft der Hotelangestellten war diese Strecke vor rund 35 Jahren (1977 laut eingen WWW-Angaben, 1981 wird auch genannt) eingestellt worden und das mußte ich mir genauer ansehen. Ich bin also von Son Servera aus mit dem Rad die Strecke
einmal Richtung Norden (Artá) (Bild und folgende) entlanggefahren (oder besser: größtenteils gehoppelt). Bis auf ein kleines Teilstück vor Artá war die Strecke leidlich befahrbar
(allerdings wären Wanderschuhe und lange Hose, auch auf den restlichen Strecken, das besser geeignete Verkehrsmittel gewesen).
An einem anderen Tag habe ich die Strecke von Son Servera Richtung Süden erkundet (Bild und folgende). Aus Zeitgründen bin ich nur bis Sant Llorenç d'es Cardassar
(auf den Straßenschildern meist nur als Sant Llorenç bezeichnet) gekommen. Der Rest der Strecke verläuft nahezu parallel zur Schnellstraße Ma15 bis nach Manacor und ist für das geübte Auge
vom Auto aus gut zu erkennen.
In Manacor wurde der alte Bahnhof vor wenigen Jahren saniert (im Zuge des quasi-Neubaus der Strecke Manancor - Palma, siehe auch
hier). Bei der Stillegung der weiteren Strecke wurde die ehemalige Fahrbahn mit einem Radweg überbaut. Doch ein Radweg und ein paar Palmen lassen sich recht günstig wieder
entfernen, so daß die Aussage eines Hotelangestellten, nicht nur der Bahnhof von Sant Llorenç solle restauriert werden, sondern die ganze Strecke, möglich erscheint. Dazu kommt, daß in Manacor einige
Protestplakate hingen, laut denen sich zumindest einige Einwohner gegen den (Neu?-)Bau der Stecke durch den Ort wehren.
Außerhalb von Manacor ist der größte Teil der Gleise noch vorhanden. Dazu sind am Ende der Fotostrecke einige Bilder zu sehen.
Die Karte unten zeigt alles Wichtige:
Start zeigt die Straßenkreuzung in Son Servera (Ortsausgang Richtung Calla Millor) an der ich die Teilstrecken begonnen habe. Ein symbolischer Fotoapparat zeigt die Stellen, wo ich Bilder
gemacht habe - von den über 250 Bildern sind nur ca. 130 weiter unten zu sehen. Das ausgelassene Teilstück vor Artá (graue Punktlinie) war derart zugewachsen, das ich dort gar nicht erst versucht habe durchzukommen.
Bei der Teilstrecke "Süd" (Son Servera - Sant Llorenç) bin ich bis zum Ort Son Carrió gekommen. Der Bahnhof dort wird mit San Miguel bezeichnet. Auch hier war die weitere Strecke
nach Sant Llorenç zugewachsen. Deswegen habe ich die glatte Straße zum Fahren vorgezogen.
In Sant Llorenç ist die alte Bahnstrecke durch eine neue Brücke ergänzt, die die Schnellstraße überspannt. Der alte Torbogen daneben ist offensichtlich die alte Straße.
In Manacor habe ich den Bahnhof, die nähere Umgebung und einen kurzen Teil der alten Strecke fotografiert. Die zweimalige Kreuzung der alten Bahn (Punktlinie) mit der Ma-4021
ist auch auf den Fotos zu sehen. Am Ortsausgang mit dem Wärterhäuschen weiter außerhalb mit der Straßenbrücke.
Die blauen Linien zeigen die von mir zurückgelegten Strecken (Auto, Fahrrad, zu Fuß) und sind innerhalb von 10 Tagen zusammengekommen.
Nach Art und Zustand der Baustelle in Sant Llorenc sind die anvisierten sechs Monate nur für den Bahnhof dort zu sehen. Trotzdem ist die Strecke
wohl mit recht wenig Aufwand wieder instandzusetzen. Im Vergleich zu den Mühen, woanders stillgelegte Eisenbahnstrecken zu reaktivieren, ist hier wenig zu machen: Auf der ganzen Strecke habe ich nur eine
fehlende Brücke über eine Staße in Son Servera gesehen und in Manacor ist der Umbau des Radweges recht einfach zu bewältigen. Der Rest der Strecke hat entweder schon
neue Brücken oder die Brücken wurden restauriert bzw. teilerneuert. Bei einigen kleineren Kreuzungen mit Feldwegen
sind nur wenige Meter Schienen freizulegen oder zu erneuern. Was wohl den meisten Aufwand macht, ist der Neubau der Signalisierung, einiger Bahnübergänge an größeren Straßen sowie weitere Haltestellen bzw. Bahnhöfe.
Der Fotostandpunkt westlich von Sant Llorenç zeigt die neue Autopiste (Ma15) incl. einer der schon vorgesehenen Bahnunterführungen.
Wer in den nächten Monaten dorthin fliegt möge mir bitte neuere Infos mitbringen...
Anschließend die Karte und die Fotostrecke. Ein Klick auf ein kleines Bild vergößert dieses, dann können Sie per Pfeiltasten weiterspringen oder duch ein Klick auf ein großes Foto auf das nächste Foto springen.
Der blaue Pfeil nach oben bringt Sie hierher zurück.
Nachtrag: In den Weiten und Tiefen des WWW findet man noch einige spärliche deutschsprachige Infos zu den ehemaligen Bahnstrecken. Die meisten dieser Infos sind
jedoch schon von der Realität überholt. Nur zwei Seiten konnte ich finden, die einigermaßen aktuell sind. Zum Einem schreibt der
stern mit Datum Februar 2009, das einigen
Finca-Besitzern die Enteignung droht. Ich finde den Bericht überzogen. Wer an einer stillgelegten, aber noch aufgebauten Bahnlinie baut muß eben damit rechnen, das die
Bahn wieder neu aufgebaut wird. Das ist in Deutschland so, aber auch in anderen Gebieten. Weiterhin ist mir auf den ca. 80% der Strecke, die ich abgefahren bin, keine
Finca aufgefallen, die auf die Bahnanlagen gebaut wurde. Insofern halte ich die Überschrift, das die Finca-Inhaber "enteignet" werden sollen erst einmal für übertrieben.
Interessanter ist dagegen die Seite von Jens Haipter, die recht aktuell ist. Wenn Ihnen dort Bilder bekannt vorkommen, so ist das kein Zufall... :-))
Von Jens bekam ich auch diese Infos:
Der Wiederaufbau ist beschlossen. Die Brücken in San Llorenc stehen schon ein paar Jahre, dort hat man "unten" auch die alten Gleise weggeräumt. Der letzte Zug ist 1977 gefahren. In Artá hat man in den letzten beiden Jahren noch ein wenig "aufgeräumt", 2006 lagen dort in der Einfahrt noch Gleisreste, 2007 war schon Asphalt drauf.
In Manacor "stäubt" man sich ähnlich wie in Petra, da die Trasse direkt durch
den Ort führt, wie beschrieben auf dem Radweg entlang. Die ersten Gleise sind
am Ende der Allee, bei dem Bahnübergang. Manacor will, ähnlich wie auch Inca,
eine unterirdische Führung erreichen, das dauert aber 3 mal länger und ist
einige male teuerer. Zudem soll bis Ende nächstes Jahr bis Manacor der
Fahrdraht hängen, wie allerdings man mit den 11 bestellten Elektrotriebwagen
die gleichen Leistungen bringen will wie mit den 61ern, das entzieht sich
meinen geistigen Fähigkeiten. Leiser wird es dadurch aber auf jeden Fall.